“Cosplay, Comics und plüschige Walking Acts“

  • Interview mit „Stormscosplay“ über den Beruf als Cosplayer

von LazerLiz und Eliza Scarlet

Am 29. und 30. November fand wieder die Stuttgart Comic Con statt, die sich über 4 Hallen des Messegeländes am Flughafen ausbreitete.
Eliza und ich waren am Samstag als die Agenten „Fade“ und „Deadlock“ aus „Valorant“ vor Ort, mit der Mission, uns einen guten Überblick zu verschaffen, nach Cosplayern Ausschau zu halten und für euch die Con Highlights zusammenzutragen.
Die Comic Con in Stuttgart ist unter einigen Cosplayern die beliebteste Messe des Jahres. Hier trifft sich ein großer Teil der Community zum Ende der Season und feiert nochmal so richtig, bis die Kostümfetzen fliegen.
Schon auf dem Vorplatz zur Messe begegnet man Unmengen an wundervoll kostümierten Menschen aller Altersklassen, die für Fotoshootings posieren, oder sich gerade auf den Weg in die Gebäude machen. Ab durch den Waffencheck, das Ticket vorzeigen und schon ist man drin.

Die Vorhalle

Wenn man sich umsieht, erblickt man zuerst die große Hauptbühne, die sich im unteren Teil der verglasten Vorhalle befindet.
Hinter der Bühne erstreckt sich der innere Parkbereich, mit in Stufen angelegten Wasserbetten und begrünten Flächen. Und dort geht es dann auch direkt weiter mit den Fotoshootings. Für Cosplayer bietet das Messegelände wirklich gute Möglichkeiten an schöne Bilder zu kommen.
Auch im Innenbereich haben sich einige Fotografen bereits ihren Platz gesichert und sich entlang der Wand mit ihrem Set-Up aufgebaut.
Wie wir es auch von anderen Cons kennen, finden auch auf der SCC große privat organisierte Gruppentreffen statt, zu denen sich die Cosplay-Community eines Fandoms an einem Ort versammelt, um gemeinsam Fotos zu machen und sich zu connecten. Wir begegneten einer sehr großen Gruppe an „Hazbin Hotel“ Cosplayern, die sich bereits aufgestellt hatten und an uns vorbei marschierten gerade um die 40 „Critter“ (Critical Role Fans). Kein Wunder, denn zu beiden Fandoms kamen vor kurzem neue animierte Staffeln auf Amazon Prime raus, die die Fangemeinde nun erneut anheizen. All dies begegnete uns bereits, bevor wir überhaupt die erste Messehalle betreten hatten. Die 4 Hallen sind direkt hintereinander, was es recht übersichtlich macht. Allerdings ist das Durchkommen wie jedes Jahr eine Herausforderung. Die Laufwege, die die Hallen verbinden sind recht eng und in den Hallen ist es oft auch sehr schwer durch die Massen zu kommen. Ein guter Ausweg ist es tatsächlich an die frische Luft und direkt durch die Parkanlage zu gehen, das spart zumindest etwas Zeit, wenn man zu Halle 10 möchte.

Halle 10

Dort begann auch unsere Reise durch das Getümmel.
In Halle 10 befanden sich das „TCG Village“, „Lorcana“ Turniertische und die „Artists Alley“. Hier konnte man sich durch Händlertische wühlen, voll mit Booster Packs und Vintage Sammelfiguren. Boxen voller alter Comics aus den 90ern und neben dran wunderschöne Kunstwerke, die an den Ständen der Künstler*innen zum Verkauf aushingen.

Halle 8

Um einfacher in Halle 8 zu gelangen, nahmen wir die Glaspassage am hinteren Ende der Halle.
Dort angekommen ging der Plüsch los. Gleich 5 Walking Acts begegneten uns dort. Vulpix und Evoli standen bereit für zuckersüße Fotos mit den Besuchern. Spongebob und Patrick waren auch nicht weit und durch die Gänge verschwand gerade der Mantelsaum des Firefox Maskottchens.
In dieser Halle war einiges los. Indi-Games, Ps5, die „Gaming Zone Stage“, eine große „Stargate“ Exhibition und mehrere unglaublich detailverliebte Modellbau Exemplare, sowie die Schweizer „Indiana Jones“ Ausstellung.
Es gab Essensstände, Wrestling, Merch und mitten drin ein sehr cooles „Fallout/Vault Tec“ Set der „Swiss Rats“.

Halle 6

Weiter ging es zu Halle 6.
Dort fanden wir eine noch größere Food Alley und weitere Cosplay Fan-Booths aus den verschiedensten Universen.
Es sah so aus, als gäbe es in jeder Halle von allem etwas. Einerseits eine gute Idee, um die Besucher in jede Ecke der Messe zu treiben, wenn sie z.B alle Themensets besuchen wollten, andererseits eine ganz schöne Rumrennerei. Wo was und wer war konnten wir uns nur merken, da wir uns Notizen gemacht hatten.
Diese Art von Aufbau brachte es allerdings auch mit sich, dass man immer wieder etwas Neues entdecken konnte. Wie auf einer kleinen Reise, bei der man auch nicht weiß, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt.
In dieser Halle befand sich auch die wieder wundervoll farbenfrohe Welt der „Drag-Queens“ und des „Cosplay Kingdoms“. Aufgebaut zwischen einem Orks, Zombies, Endzeit, einem Weihnachts-Gotham Set und 3 Ständen, die für einen guten Zweck Spenden sammelten. Darunter auch wieder die leicht bekleideten Spartaner, die humorvoll für die „Caritas Stuttgart“ Gelder zusammen trugen.
Fotos konnte man hier in gleich zwei professionellen Studio Settings machen. Und was gab es noch? Mehr Essen und mehr Merch und die 18+ Area.

Interview mit Stormscosplay

Wir hatten unser Haupt-Ziel erreicht, das „Cosplay Kingdom“. Wir fanden zu dieser Zeit allerdings nur zwei der fünf geladenen Gäste vor, einer davon war „Stormscosplay“. Zu unserer Freude stellte sich heraus, dass er zu unserem Interview Thema einige aus Erfahrung sprechende Worte zu sagen hatte und offen dafür war, sich etwas Zeit für uns zu nehmen. Mission erfolgreich ausgeführt.
Das Thema „Faire Bezahlung” ist auch im Bereich Cosplay in aller Munde. Da es kein offiziell anerkannter Beruf ist, gibt es wenige verlässliche Informationen darüber, wie viel man für bestimmte Tätigkeiten eigentlich verlangen darf – oder sollte.
Gemeinsam mit GZM Cosplay Management beschäftige ich (Liz) mich schon eine geraume Zeit mit dem Thema Verdienst, Verhandlungen und dem Wert der hinter unserer Arbeit als Cosplayer steht. Umso spannender war es, diese Fragen auch mit einem international erfahrenen Gast wie Stormscosplay zu beleuchten.
Auch für ihn selbst ist dieses Thema ein zentraler Bestandteil seines Berufslebens. Als Make-up-Artist, Cosplayer und Kostümbauer kommt man nicht darum herum, sich mit dem eigenen Wert auseinanderzusetzen und für faire Bezahlung einzustehen.
Stormscosplay stammt aus Belgien und ist international kein Unbekannter mehr in der Szene. Als Cosplay-Gast und Panel-Speaker wurde er bereits in zahlreichen europäischen Ländern eingeladen – nun ist er zum ersten Mal auch in Deutschland zu Gast. Auf der Stuttgart Comic Con spricht er über seine Arbeit, faire Bezahlung in der Cosplay-Branche und darüber, was er angehenden Cosplayern mit auf den Weg geben möchte.
Er stellt den Großteil seiner Cosplays selbst her und nimmt regelmäßig an Wettbewerben teil. Besonders wichtig ist ihm dabei nicht nur das handwerkliche Arbeiten, sondern auch der Austausch mit anderen. „Ich liebe den lehrenden Aspekt beim Geben von Panels“, erzählt er. „Aber genauso schätze ich die sozialen Seiten daran, als Gast auf einer Convention zu sein.“ Neben dem Erstellen von Cosplays gehört für ihn auch das Jurieren von Wettbewerben dazu – ein weiterer Bereich, in dem er sein Wissen weitergeben kann.
Für seine Arbeit auf der Stuttgart Comic Con erhält Stormscosplay auf Anfrage eine Tagesgage. Bezahlt werden sowohl seine Panels als auch seine Präsenz als Gast. “Ich werde sowohl für meine beiden Panels als auch für meine Tätigkeit als Gast bezahlt.”
Zusätzlich übernimmt die Convention alle anfallenden Kosten wie Reise und Unterkunft, sowohl für ihn als auch für eine Begleitperson.
Für ihn ein wichtiger Punkt, denn auch wenn er die Bezahlung als fair empfindet, betont er, wie knifflig es oft ist, den eigenen Wert realistisch einzuschätzen. “Ich finde es schwierig einzuschätzen, wo ich mich selbst preislich einordnen würde, weil viele Cosplayer nicht wirklich darüber sprechen.” , erklärt er. “Dadurch gibt es kaum Richtlinien dafür, was normal ist zu verlangen.” Dennoch versucht er, immer selbstbewusster aufzutreten und für das einzustehen, was er für angemessen hält. Für ihn ist dieser Schritt wichtig – nicht nur persönlich, sondern auch für die Professionalisierung der Szene insgesamt.
Als sogenannter Walking Act, was oft Teil der Arbeit als Cosplayer ist, wurde Stormscosplay bisher noch nicht gebucht, zeigt sich dafür aber sehr offen. „Das würde ich in Zukunft gerne ausprobieren“, sagt er.
Negative Erfahrungen mit Conventions hat er bislang kaum gemacht. Er berichtet, dass er sehr viel Glück mit den Veranstaltern hatte, mit denen er zusammengearbeitet hat.
“Ich habe Horrorgeschichten von anderen gehört. Ich glaube, ich hatte Glück, weil ich die Conventions meist selbst recherchiere und mich aktiv bewerbe.” Vorab recherchiert er Conventions genau und spricht mit anderen Cosplayern über deren Erfahrungen. Besonders wichtig ist ihm dabei, wie Cosplayer behandelt werden und ob es in der Vergangenheit problematische Vorfälle gab.
Zum Abschluss teilt Stormscosplay eine klare Botschaft, die er allen mit auf den Weg geben möchte, die in der Cosplay-Branche arbeiten oder arbeiten wollen: “Arbeite niemals umsonst und zahle niemals dafür, arbeiten zu dürfen.”. Wer diesen Schritt einmal geht, läuft Gefahr, dauerhaft ausgenutzt zu werden.
“Stell sicher, dass selbst eine sehr kleine Convention alle deine Kosten übernimmt, denn es sollte nicht normal sein, dass man Geld zahlen muss, um für ein Event oder ein Unternehmen zu arbeiten.”
Außerdem plädiert er dafür, offen über Gagen und Honorare zu sprechen, um langfristig fairere und transparentere Standards zu schaffen. “Habt keine Angst, mit anderen darüber zu sprechen, welche Gagen üblich sind oder was sie verlangen – so können wir es normalisieren, offen darüber zu reden.”
Sein Wunsch für die Zukunft ist eine Art Cosplayer-Gewerkschaft – auch wenn deren Umsetzung über Ländergrenzen hinweg aktuell noch schwierig erscheint.

Nach diesem äußerst spannendem Interview war unsere Mission allerdings noch nicht beendet, denn es befand sich noch eine weitere Halle vor uns, die von uns inspiziert werden wollte.
Je ein Bubble Tea in der Hand, wir wollten uns ja den Besuchern anpassen und nicht auffallen, spazierten wir voran in Richtung Halle 4.

Halle 4

Dort angekommen begegnete uns noch mehr Essen. Und noch mehr Merch. Die Autogramm-Ecke für die Star-Gäste war mit Absperrgittern und Bändern versäumt und wirkte vor den weißen Trennwänden nicht gerade einladend. Doch beim Antreffen der Gäste, standen die Besucher wie immer Schlange, bis sie an ihre heißbegehrte Signatur ihrer Lieblingsstars kamen.
Ein kleines Stück weiter befanden wir uns plötzlich in anderen Galaxien. Die halbe Halle drehte sich um einen der erfolgreichsten Epos des letzten Jahrhunderts, „Star Wars“. Von Look-a-like Cosplayern, die an ihren Fotoständen für die Besucher bereitstanden, zu Kostümausstellungen, die handgemachte königliche Gewandungen zeigten, der „Galactic Cantina“, bis hin zu einem X-Wing in Originalgröße, einer riesigen Sci-Fi Modellbau Ausstellung und der „Force Stage“, war gefühlt alles vertreten was das Star Wars Fan Herz begehrt.
Die „Mandalorian Roughnecks“ boten an ihrem liebevoll gestalteten Booth Workshops an und hatten eine der authentischsten Cosplay Repair-Stations, die wir bis dato gesehen hatten. In der Cantina schlürften die Gäste an ihren Drinks und auf der Bühne drehte sich alles um das Thema Sci-Fi.
Und was darf in einer Star Wars Ecke nicht fehlen? Ein paar ferngesteuerte Droiden, die sich ihren Weg durch die Menge bahnten.
Mit einem „bibbübbip“ verabschiedeten wir uns vorerst, um einen letzten Blick auf einen der zwei Cosplay Contests zu werfen. Vor der großen Party in Halle 2 gingen wir nochmal flott ins Hotel, um uns frisch zu machen und etwas essen zu gehen. Unsere Arbeit als Agenten war hiermit getan und somit kamen wir als Liz und Eliza am Abend zurück auf die Messe, um den Tag mit einer gelungenen 90er/2000er Feier ausklingen zu lassen.

Unser Fazit der Stuttgart Comic Con 2025

Hier wird es einem definitiv nicht langweilig. Die Programmpunkte waren abwechslungsreich und spannend gestaltet und genügend zu essen gab es auch. Fotomöglichkeiten gab es zu Hauf und im Innenhof, in der Vorhalle, oder auf dem Vorplatz konnte man sich zwischendurch von dem Getümmel gut erholen.
Die Star Wars Area hat uns mit am meisten begeistert, sowie die unzähligen Modellbau Ausstellungen.

Wer es bunt mag fand in der „Queer Avenue“ seinen Platz und wem es zu laut wurde, der konnte sich bei Firefox -23db earplugs looten.
Was uns allerdings auch diesesmal erneut als einer der größten Kritikpunkte aufgefallen war ist, dass die Cosplay Area direkt neben der großen Bühne völlig fehlplatziert ist. Man versteht so gut wie kein Wort, wenn man sich mit den Cosplay Gästen unterhalten möchte, wofür wir ja extra hergekommen waren. Zudem ist es eine große Belastung für alle Cosplay Gäste und ihre Supporter, den ganzen Tag mit sehr lauter Musik beschallt zu werden. Und wenn man sich in ein Gespräch verwickeln möchte, sind hier die earplugs auch eher kontraproduktiv.
Ein Wunsch unsererseits an die Gäste der Party: Ein “Nein” bedeutet auch “Nein”. Leider gab es einige übergriffige Vorfälle, die uns Mädels am Samstag Abend nicht wirklich sicher haben fühlen lassen. Mehr Security zu positionieren, die schnell handeln können, wäre auch eine guter Verbesserungsvorschlag.
Der Messe Orga rechnen wir jedoch hoch an, dass sie ihre Cosplay Gäste, zusätzlich zur Kostendeckung für Reise und Unterkunft, auch für ihre Arbeit vor Ort entlohnt. Was leider noch nicht bei jeder deutschen Con üblich ist.
Im Großen und Ganzen war es wieder eine sehr schöne Messe, die mit ihrer Vielseitigkeit glänzt. Für jeden ist etwas dabei und Cosplay wird hier groß geschrieben.

Kategorien: GZM CM Meinung

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